Sperrmüll-Schätzchen

Eine meiner Leidenschaften gilt alten Möbeln. Alles, was noch irgendwie benutzbar ist, wird von mir nach Hause gezottelt und in irgendeine Ecke geschoben. Dass ich Flohmärkte supertoll finde, versteht sich von selbst. Aber auch an keinem Sperrmüllhaufen kann ich vorbeigehen, ohne nicht wenigstens einen Blick riskiert zu haben. Falls der beste Mann von allen mal aus Versehen vergisst, das Tempo zu drosseln um mich im Schritttempo an ausgedienten Müllbergen vorbei zu kutschieren, bin ich sogar im Stande, einen Streit vom Zaun zu brechen und ihn zum umdrehen zu nötigen. Als ich dieses gute Stück hier im Nieselregen vom Straßenrand eingesammelt hab, hatte ich den Büps im Auto, der damals - gerade zwei Jahre alt - schon ein entnervtes "Oh, Mama" von sich gegeben hat. Tsss, Männer.

Nachdem der Sessel dann ewig und drei Tage auf unserer Teasse stand, hab ich ihn neu bezogen und Wohnzimmer-tauglich gemacht.

Das Ganze ist viel einfacher, als man denkt, wenn man beim Abziehen des alten Polsters jeden einzelnen Schritt fotografiert. Dann kann man später genau schauen, wo der Bezug in Falten liegt und in welcher Reihenfolge die Stoffschichten festgetackert sind. Nach dem Abziehen alle Holzteile anschleifen und neu lackieren oder beizen, je nach Geschmack. Ich hab nur dunkles Öl und Antikwachs genommen. Die abgezogenen Polsterbezüge dienen als Schnittmuster für die neuen. Für diesen Sessel braucht es nur zwei Abnäher an den vorderen Kanten, alles andere wird festgetackert. Wer´s ganz schön machen möchte, nimmt Ziernägel, aber ein Tacker tuts auch.

 

Das traurige Ende vom Lied: Kurz nachdem der Sessel fertig war, hat sich jemand sehr Schweres reingesetzt und nun sind die Federn gebrochen.

Tja. So isses, das Leben.

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mambapferd ist

von der guten Seite, nerdy, Turnschuhträgerin, Mama von zwei Jungs, stiller Beobachter, viel zu häufig Gutmensch, eine gute Köchin, kreativ, für gemeinsames Schweigen zu haben, gerne am Meer, dickköpfig, verheiratet, in der Lage Ruhe ausstrahlen zu können, Nutella-mit-Käse-Esser, manchmal schwer von Begriff, ein überschaubares Risiko für den Straßenverkehr, leicht zu begeistern, schockiert wie alt ich schon bin.

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