Max & Cora

Seit ein paar Wochen haben wir wieder reichlich Gäste im Garten. Ganze Heerscharen von kleinen Kohlweißling-Raupen nagen Tag für Tag an unserer Kapuzinerkresse, von der es - gottseidank - auch reichlich im Garten gibt. Und ganz ehrlich, ich finde Raupen super. Daher musste ich auch gar nicht lange überredet werden, als der Büps vorgeschlagen hat, welche als Haustiere mit rein zu nehmen. Nach der obligatorischen Belehrung (nicht zum Spielen, Finger weg vom Glas usw. - man weiß ja nie, auf welche Ideen Kinder so kommen) durfte der Büps besonders stattliche Exemplare aussuchen. Mein Einwand, dass die Tierchen ja eigentlich alle gleich seien, und wir das Auswahlverfahren doch eigentlich ein wenig abkürzen könnten, wurde geflissentlich überhört. Letztlich haben wir uns aber doch einigen können und zwei Raupen durften in ein großes Gurkenglas einziehen: Max und Cora.

Mit hinein in das Glas durften drei Stöckchen, denn Raupen klettern gern rum, und natürlich genügend Futter. In unserem Fall waren das einfach weitere Blätter der Kapuzinerkresse, an der der wir sie gefunden haben. Kohlweißlingsraupen mögen aber auch jegliche Form von Kohl, kann man sich ja denken ;) Mit einem Kohlkopf aus dem Supermarkt tut man den Tierchen aber sicher keinen Gefallen, es sollte schon Bioqualität sein. 

Dass Raupen glücklich und zufrieden sind, kann man daran erkennen, dass sie sofort anfangen alles vollzukacken. Dann sind sie nämlich kräftig am Futtern, was für das spätere Puppenstadium nicht unwichtig ist. In ihrem ca. 4-wöchigen Raupenleben (vom Ei bis zur Puppe) vertilgen sie Unmengen. Das heißt auch, dass jeden zweiten Tag frisches Futter ins Glas sollte und nach Möglichkeit die Raupenkacke raus.


Habe ich erwähnt, dass Raupen gerne rumklettern? Während Cora im Glas am liebsten einfach sitzt und frisst (und kackt) klettert Max rauf und runter. Leider konnte ich kein Foto davon machen, wie er Mission-Impossible-mäßig mit nur zwei Beinen zum Fressen an einem Ast hing, während der restlich Raupenkörper in der Luft hing. Damit es keine bösen Überraschungen gibt, und die Gäste sich nicht im ganzen Haus breit machen, sollte das Glas natürlich verschlossen sein. Als Deckel habe ich ein dünnes Baumwolltuch über das Glas gespannt und mit einem Gummi befestigt. So kann die Luft rein und raus. Ein dünnes Gaze, wie ein Mückennetz geht auch.

Ich bin nicht ganz sicher, was den Sauerstoffbedarf von Raupen angeht und würde mal behaupten, ein Schraubdeckel wäre auch okay. Schließlich öffnet man das Glas ja ohnehin regelmäßig. Aber mit einem luftdurchlässigen Deckel hat es sich für mich irgendwie besser angefühlt.

Kohlweißlingsraupen, die man im September findet, gehören zur dritten Generation. Südlich der Alpen gibt es jährlich 4-5 Generationen vom großen Kohlweißling, in unserem Klima 2-3. Cora und Max werden bei uns überwintern, sie werden den Winter über im Puppenstadium verbringen. Wenn es soweit ist, in ein paar Tagen oder spätestens Wochen, zieht das Glas wieder nach draussen ins Gartenhaus um, wo es kalt ist. In warmen Räumen überwinterte Schmetterlinge schlüpfen früher und haben es dementprechend schwer, wenn der Winter lang und kalt sein sollte. Im Spätfrühling dann, wenn alles gut geht, schauen wir zu, wie sie schlüpfen. Und dann sehen wir Cora und Max im nächsten Jahr wieder in unserem Garten.

Falls jetzt jemand auf den Geschmack gekommen ist, Schmetterlingsraupen zu überwintern: Traut euch! Es ist nicht schwer, und für Kinder toll zu beobachten, wie die Entwicklung der Tiere in den unterschiedlichen Stadien verläuft. Wichtig ist, dass man weiß, welche Raupe man da ins Haus holt, damit man das richtige Futter gibt. Zur Bestimmung sei diese Seite empfohlen: www.schmetterling-raupe.de

Oftmals werden aus unscheinbaren Raupen wunderschöne Schmetterlinge - und umgekehrt. Diese Raupe auf den Bildern unten (ebenfalls heute im Garten gefunden) entwickelt sich im Frühjahr zu einem völlig unscheinbaren Nachtfalter, der Ampfer-Rindeneule. Als Raupe ist sie, wie ich finde, spektakulär schön. 

An Brennesseln oder Disteln kann man in der Regel Raupen von Tagpfauenauge, Admiral, Landkärtchen oder Distelfalter finden. Viel Spaß beim Raupensuchen!


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Kommentare: 3
  • #1

    svenni (Freitag, 12 September 2014 17:24)

    Ich finde diese Raupe dort unten sehr schön ich habe nämlich gerade eben bei einem Spaziergang so eine Raupe gesehen und wusste nicht wozu diese Härchen dienten, deswegen ließ ich sie lieber auf dem Boden, aber es ist unglaublich welche Schönheiten einmal als hässlicher Nachtfalter enden und anders herum, also... die Raupen sollten sich nicht zu früh freuen, wenn sie erst einmal sehr schön aussehen

  • #2

    LEA (Freitag, 12 September 2014 17:27)

    :D

  • #3

    Sandra (Donnerstag, 18 September 2014 07:23)

    Wie schön, hier eine "alte Bekannte" wieder zu sehen. Alte Wetterlein!
    Ganz liebe Grüße

mambapferd ist

von der guten Seite, nerdy, Turnschuhträgerin, Mama von zwei Jungs, stiller Beobachter, viel zu häufig Gutmensch, eine gute Köchin, kreativ, für gemeinsames Schweigen zu haben, gerne am Meer, dickköpfig, verheiratet, in der Lage Ruhe ausstrahlen zu können, Nutella-mit-Käse-Esser, manchmal schwer von Begriff, ein überschaubares Risiko für den Straßenverkehr, leicht zu begeistern, schockiert wie alt ich schon bin.

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